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Die Geschichte des Diamanten kann zurückverfolgt werden bis
in das 4. Jh. vor unserer Zeitrechnung: Der am Hof des frühindischen
Herrschers Candragupta-Maurya lebende Minister und Gelehrte Kautilya
beschreibt nicht nur die vorherrschenden Farben des Diamanten in
realistischer Weise (... wie der Urin oder die Galle der Kuh...),
sondern behandelt den für die Schatzbildung des Staates bedeutenden
Edelstein als Steuer- und Zollobjekt, dessen Wert von besonders
geschulten Sachverständigen zu ermitteln war. In dieser Darstellung
tritt uns zugleich die älteste Verwendungsart des Diamanten
entgegen. Er war Mittel der Schatzbildung, Wertsicherungsmitte!
für Zeiten der Not.
Noch frühere Datierungen der Kenntnis vom Diamanten, etwa in
die klassisch-griechische oder biblische Zeit, sind Spekulationen,
die ausnahmslos auf der sehr freien, neuzeitlichen Übersetzung alter
literarischer Quellen beruhen. Das griechische Eigenschaftswort
adamas - unbezwingbar, unbesiegbar, von dem sich die Bezeichnung
"Diamant" ableitet, wurde seit dem 8. Jh. v. Chr. zunächst für
Eisen, Korund und andere Mineralien, schlie8lich zur Kennzeichnung
geistiger Werte verwendet.

Die indische Diamantengewinnung und der indische
Diamantenhandel sind seit der Zeit Kautilyas bis zur Mitte des 18.
Jh. von größter Bedeutung gewesen. Infolge der gesetzlichen
Ablieferungspflicht als Wertsicherungsmittel, später infolge der
hohen Wertschätzung als Amulett, schließlich - obwohl unbearbeitet -
auch als Schmuckstein, gelangten in der Frühzeit nur unscheinbare,
meist undurchsichtige Kristalle in den Besitz der mit Indien Handel
treibenden Völker, insbesondere der Araber, Perser, Römer, aber auch
der Chinesen.

So berichten römische und chinesische quellen lediglich von
der außerordentlichen Härte des Diamanten und von seiner besonderen
Eignung als Gravierwerkzeug, während die Inder infolge ihrer
Kenntnis großen Kristalle und Spaltstücke vorzugsweise die
„Lichtwirkung" schätzten, die Transparenz, den harten Glanz und
sogar die Farbzerlegung aufgrund der
Dispersion.

Dennoch: Härte und Seltenheit, vor allem aber indische
Legenden, ließen den Diamanten zur Zeitenwende bei den Griechen und
Römern in den Rang des „höchsten aller irdischen Kleinodien“
aufsteigen. Mit der Ausbreitung des Christentums verblaßt diese hohe
Wertschätzung zunächst: Der Diamant als Symbol des
Unbesiegbarkeitsglaubens tritt hinter christlich-ethische Werte
zurück. Erst im späten Mittelalter, etwa im 13. Jh., begegnet uns
der Diamant in nennenswertem Umfang in der europäischen
Schmuckfertigung. Über die seit 1208 bestehende venezianische
Handelsniederlassung in Aleppo wurden nun solche transparenten
Kristalle und Spaltstücke aus Indien eingeführt, deren faszinierende
optische Eigenschaften schon in den frühindischen Sanskrittexten
beschrieben sind.

So gründete sich fortab auch die außerindische (arabische und
europäische) Wertschätzung des Diamanten auf seine besondere
Lichtwirkung, von der man vorzugsweise Farblosigkeit, Transparenz,
Glanz und Funkeln. in selteneren Fällen auch die Farbzerlegung
infolge der Dispersion
beobachtete.
Zur Schmuckherstellung dienten zunächst gut ausgebildete
Kristalle, insbesondere Oktaeder und Zwillinge nach der
Oktaederflüche (sog. Nahtsteine), später in größerem Umfang auch
Spaltstücke. Denn durch das Spalten konnten auch an gerundeten
Rohsteinen oder solchen mit „sandiger Haut“ relativ ebene, glänzende
(Spalt-) Flächen erzeugt werden.

Darüber hinaus dürften die ersten Versuche einer Bearbeitung
des Diamanten durch Polieren natürlicher Kristallflächen und
Spaltflächen in das 14. Jh.
zurückreichen.
Eine erhebliche Steigerung der Diamantenzufuhr nach Europa
bewirkte die portugiesische Entdeckung des Seeweges nach Indien
durch Vasco da Gama im Jahre 1498. Schon 1505 war die Zahl der
Handelsniederlassungen so bedeutend geworden, da6 Portugal einen
Gouverneur und VizekSnig nach Indien entsandte.
Zur gleichen Zeit setzt sich die formgebende Bearbeitung, das
Schleifen des Diamanten durch, womit zunächst Tafelsteine,
Dicksteine, später auch Scheren- und Brillantschliffe hergestellt
wurden. Das Schleifen ist vermutlich zuerst in Venedig aufgekommen,
hat sich dann bald auch in Indien durchgesetzt. Die erste
vollständige Beschreibung der verschiedenen Bearbeitungsgänge und
des erforderlichen Handwerkszeuges stammt von dem berühmten
venezianischen Goldschmied Benvenuto Cellini aus dem Jahre 1568.

Beide Ereignisse - Entdeckung des Seeweges nach Indien und
Entwicklung der Bearbeitungstechnik -geben im abendländischen Raum
dem Diamanten erneut den Rang eines „Königs der Edelsteine“, wobei
sich die hohe Wertschätzung jetzt neben Seltenheit und Härte auf die
besondere Eigenschaft der Brillanz gründete, deren Steigerung man
mit der Entwicklung neuer Schliffarten bezweckte.
Zur Zeit des Kardinals Mazarin und Ludwigs XIV von Frankreich
wird der moderne Brillantschliff begründet; die Legende spricht die
Erfindung der horizontal laufenden Stahlscheibe zum Schleifen des
Diamanten einem Lodewijk van Berken um 1476 zu: historisch jedoch
ist das nicht haltbar.

Die indische Diamantengewinnung versorgte die alte Welt bis
etwa zum Beginn des 18. Jahrhunderts; man schätzt, dass in Indien
bis zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Millionen Karat Rohdiamanten
gefördert worden sind. Als schließlich 1727 die Diamantenvorkommen
in Brasilien entdeckt wurden, kam die Zufuhr aus Indien fast
vollständig zum Erliegen. Aber der Rohdiamantenhandel wehrte sich
gegen diesen Strukturwandel, weil die aus Brasilien eintreffenden
Mengen für die damalige Zeit unvorstellbar groß waren. Während in
den letzten Jahren der indischen Produktion zwischen 2000 und 5000
Karat jährlich nach Europa gelangten, sind es aus Brasilien zwischen
den Jahren 1730 und 1820 jährlich zehnmal soviel. Und als dann neben
den Vorkommen in Minas Geraes die reichen Lagerstätten in Bahia seit
etwa 1845 ausgebeutet werden, steigt die Menge bis zum Jahr 1850 auf
300 000 Karat. So wundert es nicht, daß die brasilianischen
Diamanten als minderwertig bezeichnet wurden, nur um die gro8en
Mengen abzuwehren: Die Portugiesen- zu deren politischer
Einflusssphäre damals auch Brasilien gehörte -waren gezwungen, die
Steine zunächst in ihre indische Handelsniederlassung Goa zu
transportieren, von wo aus sie auf den Rohdiamantenmarkt in Lissabon
gelangten - und zwar als hochwertige indische
Diamanten.
Fast
150 Jahre versorgte Brasilien den Diamantenmarkt, wobei die
steigende Prosperität der neuen Welt (seit 1845 Eisenbahnbau in
Nordamerika, bedeutende wirtschaftliche Entwicklung nach Beendigung
des Bürgerkrieges 1865) die zeitweise sehr erheblichen
Produktionsmengen an Rohdiamanten fast reibungslos aufnahm. Als
schlie8lich nach 1850 die allmähliche Erschöpfung der bis zu diesem
Zeitpunkt bekannten brasilianischen Vorkommen trotz enormer
Nachfrage fast zu einem Erliegen des Diamantenhandels führte,
erreichte im Winter 1870/71 die erste Sendung Rohdiamanten aus
Südafrika den europäischen Markt, der sich vom reinen Handelsplatz
Lissabon längst in die Schleifzentren Amsterdam und Antwerpen
verlagert hatte.
Die
geradezu unwahrscheinliche Entdeckungsserie der Diamantenvorkommen
Südafrikas in den Jahren 1867 bis 1871 lie8 die
Rohdiamantenproduktion bis 1880 auf drei Millionen Karat steigen: Eine für die
damalige Zeit kaum vorstellbare Menge, die das Zehnfache der
höchsten Produktionsmengen Brasiliens im Jahre 1850 ausmachte. Die
gleichzeitige, übersteigerte wirtschaftliche Entwicklung sowohl der
USA als auch Europas bewirkten erstmals, dass der Diamant einen
Anteil von mehr als 80% am gesamten Edelsteinumsatz erreichte; Er
wurde, König der Edelsteine, nicht nur von der Qualität, sondern
auch von der Quantität her.
Besondere wirtschaftspolitische
Maßnahmen in Südafrika wurden notwendig, um die relative Seltenheit
des Diamanten zu erhalten, auch wenn von der Gesamtförderung im
Durchschnitt nur ein Viertel zu Schmuckzwecken geeignet ist. 1890
wird erstmals eine zentrale Verkaufsstelle für den größten Teil
aller südafrikanischen Rohdiamanten errichtet („Diamond Syndicate"),
um eine Anpassung der Fördermenge an die Nachfrage zu erreichen. Das
war der Vorläufer jener Organisation, die der unvergessene Sir
Ernest Oppenheimer 1930 schuf und die gegenwärtig unter dem Begriff
Central Selling
Organisation (C.S.O.) bekannt und ein Glied des De Beers- Konzerns
ist.

Das erste De Beers Büro in
Süd Afrika (1888)
Sir Ernest
Oppenheimer
Das 20. Jahrhundert brachte bis in
die Gegenwart die Entdeckung weiterer afrikanischer
Diamantenvorkommen. Die inzwischen 12
diamantenproduzierenden
Länder
des afrikanischen Kontinents stehen mit etwa 70% an der Spitze der
Weltproduktion. Zu einem der größten
Diamantenproduzenten entwickelte sich seit 1956 auch die
Sowjet-Union, die in der jährlichen
Gesamtförderung
an zweiter Stelle hinter Zaire steht, an dritter und vierter Stelle
folgen Botswana
und die Südafrikanische Union. Seither wuden jedoch Vorkommen in
Kanada bekannt die den kanadischen Diamantenabbau jetzt auf Platz 4
der Weltproduzierenden Ländern gebracht hat.

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